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Entstehung Südamerikas
 

Nach den Forschungsreisen des Kolumbus entdeckte der Portugiese Cabral auf der Fahrt nach Ostindien 1500 Teile der brasilianischen Ostküste, die aber schon vor ihm Bicente Pinzon berührt hatte. 1501 fanden die Portugiesen auf einer zweiten Expedition das Kap „San Roque“ und drangen schon damals weit südwärts vor (bis über den 50. südlichen Breitengrad). 1503 fand eine dritte Expedition mit dem Italiener Amerigo Vespucci an Bord die Insel Fernando Roronha und die Bucht von Bahia auf. Vespucci hatte bereits 1499 die Spanier Alonso de Hojeba und Juan de la Cosa auf der Fahrt von der Amazonasmündung und Guyana nach Trinidad, Gurassai und Venezuela bis zur Goairahalbinsel begleitet; er verfasste drei Berichte, der dritte wurde seit 1504 in mehreren Sprachen übersetzt und als Flugblatt verbreitet, seit der gefälschten Ausgabe seiner Reiseberichte vom Jahre 1507 bürgerte sich der Name Amerika ein. Die Spanier Pinzon, R. de las Bastidas, Alonso de Hojeba machten seit 1500 zunächst an der Nordküste von Südamerika weitere Entdeckungen von Santa Maria, Cartagena und San Sebastian aus, 1508 gelangten D. de Golis und B. Pinzon bis zum 40. südlichen Breitengrad, also über den La Plata hinaus, der selbst jedoch erst 1515 entdeckt wurde. Franz Pizarro, Diego de Almagro und de Luque drangen seit 1524 von Panama aus bis Peru vor. Pizarro eroberte Cuzco 1533, Belacazar Quito, Almagro gelangte 1539 bis zum Rio Mause im südlichen Chile, während der Portugiese Magalhaes bereits 1520 die nach ihm benannte Straße durchsegelt hatte. So war um 1540 der Umriss von Südamerika entschleiert, in das Innere drangen die Konquistadoren erst allmählich vor, besonders in Venezuela, Kolumbien sowie ins Gebiet des Orinoko, Amazonas und des Rio La Plata. Von 1550 – 1800 wurden im Ganzen nur geringe Fortschritte in der Erforschung Südamerikas gemacht. So fuhr z. B. Bouguer 1743 den Magdalena abwärts, La Condamine 1744 den Amazonasstrom nach Vollendung der von ihnen geleiteten Gradmessung in Peru (1736-42). Neues Leben  erhielt die Entdeckungsgeschichte von Südamerika erst durch die Epochenmachenden Reisen, die Alexander v. Humboldt und Bonpland von 1799 – 1803 ausführten; diese erforschten namentlich Ostvenezuela, den Orinoko und Rio Regro (1799) sowie Kolumbien (1801), Ecuador (1802) und Peru und brachten großartige Sammlungen nach Europa heim. Von 1811-14 bereisten Johann v. Eschwege, 1815-17 der Prinz Mar zu Wied, 1817-20 Spix und Martius Brasilien, ihnen folgten die Franzosen Saint-Hilaire (1816-22), d’Orbigny (1826-33), der Sachse Pöppig (1826-31), letztere drangen auch in das Andengebiet tiefer ein, wie der Fre Pentland (1826-39), der Schweizer J. J. v. Tschudi (1833 bis 1842) und der Bayer E. Bibra (1849-52) Peru, Bolivien und Chile näher durchforschten. Im Gebiete des Amazonas waren besonders die Engländer Smith und Lowe (1834-36) sowie die Expeditionen des Prinzen Adalbert von Preußen (1842) und des Grafen Castelnau (1843-47) tätig, in Patagonien Ch. Darwin (1833), in Guyana die Gebrüder Robert und Richard Schomburg (1835-38 und 1840-44), F. Appun (seit 1849), in Surinam Kappler, in Venezuela Codazzi und H. Karsten, in Kolumbien schon vor den beiden letzteren Boussingault, in Peru Clemens von Martham (1852-54 und 1860-62), J. Hasztarl (1853-54) und A. Raimondi, in Chile R. Philipps (seit 1853), A. Bissis (1848-76), der Mineraloge J. Domenko (1856-86) u.a.; in Argentinien H. Burmeister, in Paraguay Page (1853-56), Day (1853), Moussy (1854-59). Mit dem Ausgang der 1860er Jahre kommt die Erforschung von Südamerika in ein rascheres Tempo. In Guyana untersucht Brouseau 1888 den Maroni, Coudreau 1889 den Ohapok, Niederländisch-Guyana bereisen 1885 R. Martin und Kate, Britisch-Guyana F. im Turm (1884) und Whiteley (1885), das venezuelische und englische Guyana Chassanion (1890). In Brasilien und den westlich angrenzenden Staaten hat die Erforschung des Amazonas und seiner Zuflüsse viele Forscher seit den 60er Jahren beschäftigt, wie Agassiz (1865-66), Chandleß (1871-72), Hartt (1870-71); den Beni erforschte Heath (1880-81) von La Paz aus, 1882 Oberst Church; das Gebiet zwischen Ucayali und Huallaga erkundete Ch. Wiener 1880-81, Selfridge nahm den untern Madeira auf, Coudreau erforschte 1884-85 den Rio Branco, R. von den Steinen unternahm mit W. von den Steinen und Clauß 1884/85 seine erste so erfolgreiche Xingureise vom Duellgebiet her, 1885/86 fuhr Ehrenreich den Tokantis hinab, 1887 folgte die zweite Xingureise, die R. von den Steinen mit Bogel und Ehrenreich durchführte in das Duellgebiet des Batovy und Kuliseu; Ehrenreich befuhr 1888 den Uraguaya; 1896 hat Coudreau von der Mündung her den Xingu bereist , besonders aber ließ sich Herrmann Weyer auf zwei Expeditionen 1896 und 1899-1900 die genauere Erforschung des Xingu angelegen sein. Vom übrigen Brasilien sind namentlich die von der deutschen Einwanderung bevorzugten südlichen Staaten genauer bekannt geworden, besonders Rio Grande und Santa Catharina. In Argentinien sind die gebirgigen Teile namentlich von A. Stelzner (1872-73), W. Brackebusch (1875-88), Hauthal u.a. näher erforscht worden; Fontana untersuchte 1875-81 den Chaco, den Pilcomayo erforschten Grevaur (gest. 1882), Baldrich Abazata, Thouar (1883) und Feilbery (1884-86), den unteren Aguaray-Guazu entdeckte Fernandez (1886), den oberen Barana erforschte Bove (1883-84). Den großen Binnensee Mar Chiquita fand Grumbsow (1891) 87 km lang und 50 km breit, 1899 bereiste Burkhardt (mit Wöhrli) einen Teil der argentinischen Anden zwischen Las Laiao und Caracautie. In Bathagonien forschten 1869-70 Musters, 1875 bis 1879 Moreno, 1876-79 Moyano und Ramon Lista, am Ostabhang der Anden 1880 Oberst Host, 1882-83 General Billegas, 1887-88 Fontana, 1888-89 A. del Castillo, den Rio Regro befuhr 1881 Obligado und 1883-84 O’Connor Steinmann drang 1883 von der Magalhaesstraße längs der Kordilleren bis 51 Grad südlicher Breite vor; auch Castillo untersuchte 1886 die Andenhänge im Süden, während Fontana den Rio Chubut erforschte. Neuerdings sind durch die Grenzstreitigkeiten zwischen Argentinien und Chile zahlreiche Expeditionen zur genaueren Erkundung des südlichen Patagonien und des Feuerlands veranlasst worden. Hier machten Bove (1882 und 1884), Lista (1886), Roussou und Willems (1889-92), Hatcher auf drei Reisen (von 1896-99) und O. Rordensköld (1898) wichtige Beobachtungen. In Chile war 1883 Steinmann tätig, Bertrand erforschte 1884 das ganze Atacamaplateau; dort arbeitete auch Philipp 1885, Canselice erstieg 1886 den Bulkan Licancaur, Güßseldt (1884) und Plagemann (1888) forschten in den mittleren Kordilleren und ersteigen fasst den Aconcagua, den Zurbriggen und Bienes 1897 ganz erkletterten. Die chilenische Marine nahm regen Anteil an der Erforschung der Inseln, und verschiedene von der Regierung unterstützte Expeditionen haben die Kenntnis des westlichen Andesgebietes sehr gefördert, namentlich sind Steffen 1895 am Rio Puelo, 1898 am Rio Bake, Fischer (1897/98), Krüger (1898), Hascher und Petersen, Reiche, Böhlmann und Bergara (1900) zu nennen. In Bolivien machte Minchin topographische Aufnahmen, Cerceau unternahm seit 1891 größere Reisen, und Conway erstieg 1898 den Illimani. In Peru, Ecuador und Kolumbien haben von 1868-76 W. Reiß und A. Stübel eingehenden topographischen, geologischen und ethnographischen Studien angelegt, die für Ecuador Th. Wolf in jahrzehntelanger Arbeit vervollständigte. Whymper bestieg 1880 viele Berge, und gegenwärtig wird durch die französischen Offiziere Maureain und Lacombe die frühere Erdmessung von 1736 erneuert und weiter ausgedehnt. In Kolumbien hat A. Hettner 1883 und 1884 ausgedehnte Gebiete der Ostkordillere bereist, in der Zentralkordillere führte J. von Schend 1878-80 zahlreiche Höhenmessungen aus, Fr. Regel durchzog 1896-97 von Medellin aus namentlich das Bergland von Antioquia, die Sierra Nevada bereiste M. Sievers 1886, sein hauptsächliches Forschungsgebiet bildete jedoch Venezuela 1884/85 und 1895.